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Übergänge im Familienalltag

    Viele  Menschen kommen mit dem Thema Übergänge erstmals in Berührung, wenn sie Eltern werden. Plötzlich merken sie, wie herausfordernd es sein kann, sich anzuziehen, das Haus zu verlassen oder abends ins Bett zu gehen. Die Liste dieser „kleinen“ Übergänge mit einem Kleinkind ist lang. Mit der Zeit entwickeln Eltern Strategien, werden sicherer und lernen, ihre Kinder in diesen Momenten zugewandt und feinfühlig zu begleiten.

    Doch neben all den kleinen Übergängen im Alltag – von denen nicht nur Kinder, sondern auch wir Erwachsenen betroffen sind, wenn wir ständig zwischen unseren Rollen wechseln – gibt es auch die großen Lebensübergänge: Eingewöhnung in die Kita, Einschulung, Pubertät, Umzug, Trennung, Rente…

    Im Laufe unseres Lebens begegnen wir solchen prägenden Ereignissen und Phasen immer wieder.


    Ein Übergang beschreibt die Phase zwischen dem Ende von etwas Vertrautem und dem Beginn von etwas Neuem. Ein anschauliches Beispiel ist die Einschulung: Die Kindergartenzeit neigt sich dem Ende zu, erste Vorbereitungen laufen, der Schulranzen ist vielleicht bereits ausgewählt. Gleichzeitig ist der neue Lebensabschnitt noch nicht vollständig greifbar.

    Kinder befinden sich in dieser Zeit oft zwischen Abschied und Aufbruch. Zwischen Vorfreude und Unsicherheit. Zwischen Aufregung und Angst. Oft zeigen sie das ganz deutlich: Durch diese innere Spannung, wirken sie plötzlich wieder anhänglicher, unsicherer oder reagieren emotionaler als sonst.


    Übergänge bringen immer eines mit sich: Unsicherheit. Für Kinder – gerade die sehr kleinen – kann es gefühlt existenziell werden, auch wenn von außen betrachtet keine Gefahr droht. Manche Dinge erleben sie zum allerersten Mal und ihnen fehlen dadurch die zahlreichen Erfahrungen, dass eine Veränderung nicht automatisch etwas Schlechtes ist.

    Was Kinder dann brauchen, sind Erwachsene, die ihnen Halt geben, wenn in ihnen drin alles wackelt. Mit Verständnis, Wohlwollen und Feinfühligkeit.


    Verlässlichkeit & Routinen
    Wiederkehrende Abläufe geben Orientierung, weil unser Gehirn – und das der Kinder – nicht ständig neu abwägen muss, was es mit dieser Situation auf sich hat. So werden bestimmte Routinen zu einem Anker, durch den Kinder eine gewisse Vorhersehbarkeit und somit Halt finden.

    Bewusste gemeinsame Zeit
    Schon kurze, ungeteilte Zeitfenster können einen großen Unterschied machen. Ein gemeinsames Spiel, ein Gespräch oder ein ruhiger Moment im Alltag stärken die Beziehung und schaffen Raum für Austausch. Auch mit dem Lieblingsgetränk auf das Sofa kuscheln oder das angesagte Computerspiel zusammen zocken schafft die Verbindung, die Kinder immer wieder brauchen. So entstehen genau die Gespräche, die sonst keinen Raum finden.

    Transparenz & Orientierung
    Gemeinsames Planen der Woche und das Besprechen anstehender Veränderungen helfen Kindern, sich auf Neues einzustellen und Ungewissheit zu reduzieren. Wenn Kinder wissen, was kommt, können sie an anderer Stelle mit Unvorhergesehenem besser zurecht kommen.

    Und was ist mit den Eltern? Übergänge betreffen in der Regel das gesamte Familiensystem. Auch Eltern sind mittendrin. Vielleicht verunsichert. Vielleicht erschöpft. Vielleicht selbst auf der Suche nach Orientierung. Um Kinder gut begleiten zu können, ist es daher wichtig, auch die eigenen Bedürfnisse im Blick zu behalten und gut für sich zu sorgen.


    Es ist für Eltern gar nicht immer leicht, dieser sichere Hafen für ihr Kind zu sein. Denn damit sie diese Sicherheit geben können, brauchen sie selbst die Möglichkeit, Sicherheit und auch Kraft zu tanken.

    Ganz konkret können Eltern u.a. folgende Dinge probieren:

    • Gedanken und Gefühle aufschreiben, um Klarheit zu gewinnen
    • Gespräche mit anderen (Partner*in, Freund*in…) – um das Gedankenchaos zu sortieren
    • Coaching, um neue Perspektiven und Orientierung zu finden

    Übergänge sind keine Randmomente im Leben. Sie sind oft die Phasen, in denen am meisten in Bewegung ist. Vielleicht fühlen sie sich chaotisch an. Unsicher. Anstrengend. Und gleichzeitig liegt genau darin ihre Kraft. Denn genau zwischen dem, was war, und dem, was kommt, entsteht Raum für Entwicklung.


    Autorin

    Susan Zotz
    Systemische Kinder-, Jugend- und Familiencoach
    Tanzpädagogin
    Mitglied im KJFC e.V.

    https://www.susanzotz-coaching.de